Nur der Ziegenhirte sah zu, 2026
Diptychon, Acryl auf Leinwand, 50×80 cm

Den folgenden Beitrag hat der Webseiten-Kurator Walter E. Goldhahn nach einer intensiven Betrachtung des oben gezeigten Gemäldes von Kurt Berlo formuliert

Über den hier abgebildeten Ziegenhirten zu schreiben, heißt in erster Linie, nichts über ihn zu wissen. Will sagen, der hier gezeigte Ziegenhirte ist für uns ein Fremder, ein völlig unbekannter Mensch, der auf einer Wiese irgendwo in Deutschland seine Arbeit verrichtet. Wir kennen weder seinen Namen, noch wissen wir, wo er genau in unserem Land lebt. Und weil wir so gut wie nichts über ihn wissen, können wir hier auch so gut wie nichts über ihn schreiben. Damit reiht sich der Ziegenhirte ein in eine Vielzahl von Menschen in unserem Land, die völlig unbekannt und unbeachtet von der Mehrheit von uns Tag für Tag pflichtbewusst ihre Arbeit verrichten. Wir können hier eigentlich nur mehr Fragen stellen als Antworten liefern. Müssen wir uns den Ziegenhirten als einen glücklichen Menschen vorstellen? Ist er beim Hüten seiner Ziegen mit sich und den Tieren immer allein? Entzieht er sich bewusst jeglicher Aufmerksamkeit? Lebt er in der Einsamkeit seines Hirtendaseins ein bescheidenes Leben, wie ein Eremit in der freien Natur, ohne To do-Liste, ohne Uhr, ohne Mobiltelefon und ohne Zugang zum Internet? Hat er Freunde, eine Partnerin, eine Familie? All das wissen wir nicht. Wir haben keinen blassen Schimmer von diesem Menschen, der als Hauptmotiv auf diesem Gemälde abgebildet ist. Es stellt sich die Frage, warum der Maler den Ziegenhirten überhaupt gemalt hat. Auch das wissen wir nicht. Wir wissen nicht einmal, ob der Ziegenhirte überhaupt weiss, dass er hier auf diesem Bild verewigt worden ist. Handelt es sich hier denn überhaupt um eine real existierende Person? Oder hat sich der Maler die Identität des Ziegenhirten nur ausgedacht, um sich ein Motiv für ein Gemälde zu schaffen? Auch das wissen wir nicht.
Und damit kommen wir schnell zu der Erkenntnis, dass wir in Bezug auf den Ziegenhirten ziemlich genau wissen, dass wir nichts wissen. Und damit sind wir schnell bei der uralten Erkenntnis von Sokrates, der als Philosoph die Einsicht hatte, dass er weiß, dass er nichts weiß – und sich deshalb klüger wähnte als jene, die glauben zu wissen, aber doch nichts wissen. Somit könnte man schließen, dass der hier abgebildete Ziegenhirte als Sinnbild dienen könnte für die Unwissenheit in dieser Welt. Wir verfügen nicht einmal über ein gerüttelt Maß an Halbwissen über diesen Hüter seiner Ziegen. Ja gut, könnte man einfügen, wir wissen zumindest, wie der Ziegenhirte aussieht und welche Ziegen er hütet. Es handelt sich offensichtlich um eine Rasse der Schlappohr-Ziegen, wie sie häufiger in England vorkommen. Dann sehen wir, dass der Hirte einen schönen bunt-gemusterten Pullover trägt. Doch er trägt weder Hut noch Brille. Aufgrund der Darstellung ist zu erkennen, dass die Szenerie sich offensichtlich im Sommer abspielt. Und das wars dann aber auch schon. Alles weitere entzieht sich komplett unserer Kenntnis. Wir wollen uns jetzt auch nicht dazu hinreißen lassen, uns über weitere Details auszulassen, die auf diesem Gemälde zu sehen sind. Einigen wir uns daher lieber auf das ernüchternde Resümee, dass wir über den hier abgebildeten Ziegenhirten eigentlich überhaupt nichts wissen. Wirklich nichts, nothing, null, niente, nikkese!

Juni 2026: Foto aus dem Dortmunder Kreuzviertel mit einer montierten Gemäldeeinbindung und Schrift
Beispiel, wie im öffentlichen Raum auf alten Telefonkästen um unsere Aufmerksamkeit gekämpft wird
Linker Kasten: Eigene Fotomontage – Rechter Kasten: Realität

Das Urheberrecht (Copyright) für alle Bilder und Textbeiträge liegt bei Kurt Berlo

Dortmunder Rombergpark: Dialog zwischen Natur und Kunst, 2025-2026
Acryl auf Leinwand, 70×100 cm
Herbstspaziergang duch den Park am Rande des Zoos
Hommage an den Dortmunder Rombergpark, 2025
Acryl, Spray-Lack, Farb- und Schellack-Schüttungen sowie Kohle- und Lackstift auf Leinwand, 70×100 cm
Dortmunder Rombergpark: Unter den Linden, 2025
Acryl, Spray-Lack, Gießharzschüttung und Lackstift auf Leinwand, 40×50 cm
Sumpfzypressen im Dortmunder Rombergpark, 2026
Acryl auf Leinwand, 80×100 cm
Schrödingers Katze, 2025
Acryl auf Kaffeesack, 60×80 cm

Schrödingers Katze
Ein tierisches Portrait auf einem Kaffeesack als Bildträger

Vom Gedankenexperiment zur gelebten Realität
Die Auseinandersetzung mit dem quantenphysikalischen Paradoxon bildet das Fundament für dieses Gemälde. Erwin Schrödingers Gedankenexperiment aus dem Jahre 1935 postuliert eine Katze in einer versiegelten Kiste, deren Schicksal an ein Zufallsereignis gekoppelt ist. Bis zum Akt der Beobachtung existiert sie in einer sog. „kohärenten Superposition“: Das heißt, sie ist nach den Gesetzen der Quantenphysik gleichzeitig lebendig und tot. Dieses Paradoxon wird hier gezielt und mit einem Augenzwinkern aufgelöst. Denn die dargestellte Katze hat das Experiment nicht nur eindeutig überlebt, sie blickt den Betrachter „putzmunter“ an. Diese künstlerische Entscheidung ist eine bewusste Abkehr von der Ambivalenz hin zu einer entschiedenen Aussage über das Leben: Krisen und Phasen der Ungewissheit können und müssen überwunden werden, um aus ihnen gestärkt hervorzugehen. Diese Auflösung der quantenphysikalischen Ambivalenz findet ihre materielle Entsprechung in der Wahl des Bildträgers selbst – einem Objekt, das ebenfalls einem Zustand der Ungewissheit entrissen und einer neuen Bestimmung zugeführt wurde.

Kurzum: Bei diesem Gemälde geht es nicht um die sprichwörtliche Katze im Sack. Was soll das heißen? Ja, hier kann man die verneinende Form der Redewendung tatsächlich wörtlich nehmen. Denn hier handelt es sich um eine Katze auf dem Sack. Die Katze ist nämlich auf einen alten Kaffeesack, der auf einen Keilrahmen gespannt wurde, gemalt worden. Ein Upcycling, das umweltfreundlich und nachhaltig ist. Die Katze ist mit ihrer dunklen Sonnenbrille, dem roten Jogginganzug und der Mütze auf dem Kopf eine richtig coole Socke. Wenig beeindruckt von dem Gedankenexperiment, ist sie nach dem waghalsigen Einsatz aus der dunklen Experimentier-Kiste des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger gesprungen und guckt uns putzmunter an. Noch vom hellen Tageslicht geblendet, trägt sie gesundheitsbewusst eine Sonnenbrille. Eine solche Katze, die im Sinne der Quantenphysik gleichzeitig tot und lebendig sein konnte (kohärente Superposition), läuft uns nicht alle Tage über den Weg. Sie ist damit Inbegriff einer Haltung, die wir als positive Lebenseinstellung bezeichnen können. Die Katze kann als wirkungsvoller Motivations-Anker verstanden werden; sie soll vor dem Hintergrund ihrer weltberühmten Biografie und dem hier beschriebenen Kontext nichts weniger als Zuversicht, Lebensbejahung, Lebensfreude und Hoffnung vermitteln. Mehr können Sie von einer Katze nicht verlangen.

Im Lieblings-Café um die Ecke, 2025
Acryl auf Kaffeesack, 60×80 cm

Was dürfen wir hoffen?
Diese Frage gehört seit Immanuel Kants „Kritik der reinen Vernunft“ zu den Grundfragen der Philosophie. Kant leitete daraus auch eine Pflicht zur Zuversicht ab. Jedoch in Zeiten multipler Krisen (Ukraine-Krieg, Krieg in Nah-Ost, Corona-Pandemie, globaler Klimawandel, Inflation, Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich usw.) fällt es uns Menschen immer schwerer, Zuversicht zu behalten und die Hoffnung nicht aufzugeben. Dabei ging der deutsche Maler Jörg Immendorff noch einen Schritt weiter. „Immendorff betonte oft die Verantwortung des Einzelnen, sich einzumischen und Haltung zu zeigen.“ Mit seinem berühmten Motto „hört auf zu malen, fangt an zu handeln“ forderte er die Menschen dazu auf, nicht wegzuschauen, sondern „aktiv für Demokratie, Frieden und soziale Gerechtigkeit“ einzutreten (diese Zitate wurden im Juni 2025 einer Infotafel – aus der Sammlung Ströher – des Duisburger Museums Küppersmühle entnommen).
Das hier gezeigte Bild problematisiert den Umstand, dass die heutigen Problemlagen je nach Sichtweise und Perspektive (die durch die überzähligen Augenpaare dargestellt werden) sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Und immer mehr Menschen finden aufgrund individueller Algorithmen ihre eigene Wahrheit im Internet.
Trotz aller Krisen und Widrigkeiten bleibt am Ende die Hoffnung auf bessere Zeiten, wie durch den in transparenten Großbuchstaben dargestellten Schriftzug „HOPE“ unübersehbar gezeigt wird. Außerdem finden sich im Bild verschiedene Symbole der Hoffnung wie z.B. der Regenbogen, eine Schwalbe, ein Papagei, ein Angler oder ein Fischreiher. Im Auge des linken großen Kopfprofils sehen wir unverkennbar das Friedenszeichen, das nach dem weltweit ersten Ostermarch (der 1958 in London stattfand), um die ganze Welt ging. Später wurde das Symbol für den Widerstand gegen den Vietnamkrieg und von der 68er-Bewegung benutzt.
Angesichts der bereits oben genannten multiplen Krisen ist die Hoffnung heutzutage immer auch begleitet von der Angst und Sorge, dass die wünschenswerten Vorstellungen nicht erreicht werden.
Das Thema Hoffnung ist in der bildenden Kunst immer schon thematisiert worden. Von Gerhard Richter stammt die Aussage: „Kunst ist die höchste Form von Hoffnung.“
Kurzum: Hoffnung gilt als positiver Grundantrieb für die menschliche Existenz. Und sie ist ins Gelingen verliebt statt ins Scheitern, wie der Philosoph Ernst Bloch in seinem Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung“ schrieb.
Hoffnung kann uns sogar Motivation und Kraft verleihen, Dinge zu erreichen, die außerhalb jeder Wahrscheinlichkeit liegen. Von diesem Leitgedanken war auch Che Guevara überzeugt, als er verkündete: „Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.“ Von solchem hoffnungsvollen Optimismus ließ sich im 20. Jahrhundert eine ganze Generation anspornen, um die verkrusteten gesellschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit aufzubrechen. Die 68er-Bewegung wäre ohne ein „Prinzip Hoffnung“ nicht zustande gekommen. Bis heute ist die positive Macht von Hoffnung und Zuversicht Antrieb für gesellschaftliche Veränderungen geblieben.

Occupy-Bewegung 2011
Die Occupy-Bewegung, die 2011 begann, war eine direkte Reaktion auf die internationale Finanzkrise der Jahre 2008-2009. Der Protest richtete sich gegen den neoliberalen Kasino-Kapitalismus, bei dem sich krisenanfällige Finanzmärkte längst von der Realwirtschaft abgekoppelt hatten. Hoch spekulative Finanzmarkttransaktionen, getrieben von einer skrupellosen Zockermentalität, rissen im Jahr 2008 die Börsenkurse weltweit in den Abgrund.
Hintergründe: An den Börsen und Finanzmärkten dominiert heutzutage der Hochfrequenzhandel. Das heißt, der Wertpapierhandel wird überwiegend im Milli- und Nanosekundentakt (eine Nanosekunde ist ein Milliardstel einer Sekunde) abgewickelt. Dabei entscheiden komplexe Algorithmen (z.B. mithilfe der BlackRock-Software Aladdin*), welche Wertpapiere verkauft oder gekauft werden. Der automatisierte Aktienhandel per Computer bringt satte Profite für wenige Profis zulasten aller anderen. Die großen Spekulationsgewinne fließen in die Taschen von wenigen. Vor 40 Jahren betrug die durchschnittliche Haltedauer von Wertpapieren bei den Aktienbesitzern noch mehrere Jahre. Aufgrund des zunehmenden Hochfrequenzhandels ist sie rapide gesunken. Erfahrene Börsianer sagen, die Haltedauer von US-Aktien betrage im Durchschnitt nur noch 22 Sekunden. Die Wertpapier-Börsen bilden heute das Zentrum eines Profit-getriebenen Kasino-Kapitalismus, an dem sich große Bankhäuser wie die Deutsche Bank ebenso beteiligen wie Spekulanten jeglicher Couleur.
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*) Aladdin ist eine Abkürzung für „Asset, Liability, Debt and Derivative Investment Network“

Fünf große Künstler und eine Überlebenskünstlerin in ungewöhnlichen Situationen
Zusammenstellung aus sechs fiktionalen Künstler-Portraits
Warhol und Beuys Acryl auf Hartfaserplatte, sonst Acryl auf Kaffeesack und Leinwand in verschiedenen Formaten

Zwischen Abstraktion und Figuration

Meine Bilder verbinden oft abstrakte mit figurativen Elementen und wecken beim Betrachten mitunter Assoziationen, die dazu einladen, eigene Interpretationen zu finden.

Ergebnisse in Farbe, Form und Struktur

Meine Bilder entstehen oft aus intuitiven Eingebungen, die mithilfe von Pinsel, Spartel, Rakel, Farbe und Schüttungen (manchmal auch unter Verwendung von Kreide, Lackstiften und/oder Lackspray) etc. zum Ausdruck gebracht werden.

Landschaftspark mit Profil
Diptychon, Acryl auf Leinwand, 120×180 cm

Gemälde aus meiner
Dortmunder Werkstatt

Blog

Webseiten-Kurator Walter E. Goldhahn
gibt hier Einblicke in meine kreativen Prozesse und erläutert einige Werke.

Bitte beachten Sie bei den nachfolgenden Bild-Interpretationen diese Hinweise:
Erstens: „Die Kunst ist frei, und der Betrachter ist es ebenso. Er darf Ich sagen und dieses Ich gegen alle Künstler, Händler, Kritiker behaupten. Er muss sich nicht von anderen erzählen lassen, was er sehen soll.“ (Hanno Rauterberg: Und das ist Kunst?! Eine Qualitätsprüfung. Frankfurt am Main 2007)
Zweitens: „Ein Bild, eine Installation, ein Text lassen sich deuten und interpretieren; was dabei aber in Wahrheit gedeutet und interpretiert wird, ist immer auch das Selbst und das eigene Leben.“ (Wilhelm Schmid: Mit sich selbst befreundet sein. Von der Lebenskunst im Umgang mit sich selbst. Frankfurt am Main 2007)
Drittens: „Ohne Freude am Entschlüsseln, am Überlegen und Verwerfen hat sich das Kunstwerk rasch erschöpft.“ (Hanno Rauterberg 2007)

Bilder, die erinnern möchten

Weitere Bilder von mir können Sie in der ganz oben rechts befindlichen Menueleiste unter „Galerie“, „Portfolio“ und „Über“ entdecken.
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